Die jüngste Bilanz des SK Rapid ist ernüchternd: ein Punkt aus den letzten vier Spielen, wenig erkennbare spielerische Linie und zuletzt auch große Probleme in der Defensive – wie beim 1:4 gegen Rakow Czestochowa.
"Ich bin nicht ratlos, aber enttäuscht, weil wir bei den Basics richtige Probleme haben", sagte Stöger danach. Von Leidenschaft und bedingungslosem Verteidigen sei "kaum etwas zu sehen" gewesen. Ein Befund, der sich in dieser Saison bereits mehrmals wiederholt hat.
Craiova-Spiel als erneuter Kipppunkt
Dabei schien Rapid nach der Schwächphase zwischen Mitte September und Mitte Oktober wieder Stabilität gefunden zu haben, etwa beim 2:1-Sieg im Spitzenspiel gegen Sturm Graz. Doch das folgende 0:1 gegen US Craiova warf die Mannschaft sofort wieder zurück. Der Funke, der im Sturm-Spiel übersprang, blieb eine Ausnahme. Seit Wochen prägen Passivität, defensive Unsicherheiten und fehlende offensive Ideen das Bild.
Als Stöger im Frühsommer vorgestellt wurde, fragte ich, welchen Fußball Rapid unter ihm spielen werde. Seine Gegenfrage ("Für welchen Fußball stehe ich? Nur damit ich es genau weiß") zeigte bereits, dass dies ein sensibles Thema für ihn zu sein scheint.
Der Hinweis, dass er in seiner bisherigen Karriere eher einen defensiveren Ansatz pflegte, als sein Vorgänger Robert Klauß dies bei Rapid tat, wischte er mit dem Hinweis, dass er sich nicht für seine Erfolge entschuldigen werde, vom Tisch. Damals versprach er lachend: "Wir werden auch Spiele haben, wo wir mit vollkommen offenem Visier spielen werden."
Derzeit ist davon wenig zu sehen. Die Mannschaft agiert vorsichtig, oft tief, und ohne klare offensive Handschrift.
Das Auseinanderklaffen von Aussage und Realität
Wenn Stöger darauf angesprochen wird, ob sein Ansatz nicht doch defensiver sei, sieht er darin oft den Versuch, ihn in eine Schublade zu stecken. Aber niemand im medialen Umfeld verfolgt diese Absicht. Es geht schlicht um eine Analyse dessen, was seit Jahren – und eben auch jetzt – zu beobachten ist: Stöger-Teams agieren traditionell aus einer stabilen Defensive heraus. Das ist per se auch nicht unvernünftig. Man frage in Italien nach.
Hier liegt auch der dramaturgische Kern dieser Diskussion: Die Diskrepanz zwischen Aussage und Realität. "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", sagte Walter Ulbricht einst. Auch das ehemalige DDR-Oberhaupt stellte etwas in Abrede, das gar nicht Teil der Frage war, sich wenig später aber als Realität entpuppte.
Stöger betont immer wieder, kein "Defensivapostel" zu sein. Gleichzeitig spielt seine Mannschaft über weite Strecken genau so.
Dass die Mannschaft verunsichert ist, steht außer Frage. Eine verunsicherte Mannschaft tut sich schwer(er) damit, mutiger anzulaufen, höher zu attackieren oder überhaupt ihr Spiel auf den Platz zu bringen. Doch auch in stabileren Phasen war der angekündigte Mut eher selten zu sehen. Die beobachtbare strukturelle Grundidee blieb dieselbe.
Zu viel Understatement
Stöger sagte bei seiner Vorstellung: "Wenn ich mir immer nur etwas erhoffe, es aber nie sehe, verlierst du irgendwann den Glauben daran, dass da etwas in der Mannschaft drinnensteckt."
Ich bin überzeugt, dass er diesen Glauben noch hat. Doch seine Enttäuschung über "Probleme bei den Basics" nach dem Rakow-Spiel zeigt, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Realität derzeit ist.
Hinzu kommt ein Muster, das Rapid-Fans seit Monaten beobachten: Stöger stilisiert Gegner regelmäßig zu Favoriten. "Rakow gehört zu den stärksten Mannschaften in Polen", sagte er vor dem Spiel – obwohl Rapid in der Tabelle besser dasteht und einen deutlich wertvolleren Kader zur Verfügung hat. Natürlich sind solche Aussagen gängige rhetorische Mittel, doch in ihrer Häufigkeit verlieren sie an Glaubwürdigkeit.
Mach's wie Didi
Dass Stöger ein erfahrener Trainer mit hoher Fachkompetenz ist, steht außer Frage. Doch der moderne Fußball hat sich weiterentwickelt, und seine erfolgreichsten Jahre liegen länger zurück.
Viele Trainer seiner Generation haben sich bereits neu erfunden - Franco Foda beim Kosovo, Didi Kühbauer beim WAC. Die Frage ist daher weniger, ob Stöger ein guter Trainer ist, sondern ob seine aktuelle Herangehensweise zum gegenwärtigen Rapid passt.
Nach dem Spiel in Polen sagte Stöger: "Ich habe Bock, das zu reparieren."
Der Wille ist da. Die Frage ist nur, mit welchem Werkzeug.

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