Wir schreiben den 11. Jänner 2023, Biathlon-Weltcup im deutschen Ruhpolding. Für Dominic Unterweger ist es ein besonderer Tag: Der damals 23-Jährige hat es geschafft. Unweit seiner Tiroler Heimat St. Johann darf er erstmals im Weltcup ran.
Das Debüt läuft nicht nach Wunsch: Der ÖSV-Biathlet, dessen Stärken eigentlich im Schießen liegen, überquert als 83. die Ziellinie. Mit insgesamt fünf Fehlern muss er viel Lehrgeld zahlen.
Doch Unterweger lernt schnell und auch seitens des ÖSV schenkt man dem Youngster Vertrauen, setzt ihn auch bei der darauffolgenden Weltcupstation in Antholz ein. Das macht sich bezahlt: Im Sprint, seinem seinem erst zweiten Individual-Rennen auf höchster Ebene, holt er erstmals Punkte. Unterweger bleibt am Schießstand makellos und wird 36. In der Verfolgung tags darauf läuft es sogar noch besser: Der 23-Jährige verbessert sich trotz zweier Schießfehler auf Platz 27.
Wenn der Schmerz zu groß wird
Schnell wird deutlich: Da kommt einer nach, der eine Bereicherung für Österreichs Weltcup-Team sein kann. Auch in der Folgesaison ist er Teil der Truppe von Vegard Bitnes, auch wenn es nur zu Saisonende in Canmore zu Punkten reicht. Seine Stärke am Schießstand zeigt sich speziell in der Staffel von Ruhpolding: In nur 17,7 Sekunden putzt Unterweger stehend die fünf Scheiben weg.
Klar ist aber auch: Läuferisch hat er noch Luft nach oben. Bei seinem Plan, in diesem Bereich in der Folgesaison einen Schritt nach vorne zu machen, kommt Unterweger aber sein Rücken dazwischen. "Mir geht es wie dem Jesus, mir tut mein Kreuz so weh", sang Wolfgang Ambros einst - und kaum ein Song könnte Unterwegers Biathlon-Jahr 2024/25 besser beschreiben.
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Die junge Weltcup-Karriere des Tirolers wurde jäh ausgebremst. "Ich habe eine Spannung in den unteren Rücken hineinbekommen", schildert Unterweger. Schon im Juni habe das begonnen. Er trainierte weiter, doch Besserung stellte sich nicht ein, im Gegenteil. Die Schmerzen wurden immer schlimmer.
Anfang November und damit kurz vor Saisonbeginn musste der mittlerweile 25-Jährige w.o. geben: "Der Schmerz war einfach zu groß." Von da an habe er gewusst, dass es schwer wird. "Ich habe
gehofft, dass sich die letzten Rennen noch ausgehen", erinnert er sich. Doch daraus wurde nichts, in der Saison 2024/25 blieb die Liste an Wettkämpfen mit Beteiligung Unterwegers leer.
Restart
Es sei nicht so gewesen, dass "es komplett schlecht war", beschreibt er. Für hundert Prozent habe es aber nie gereicht. Doch Unterweger haderte nicht. "Ich habe es dann akzeptiert, dass ich ein Jahr aussetzen muss und habe wieder von null begonnen", sagt er. Der Blick wurde nach vorne gerichtet. Unterweger fand Unterstützung durch ein Team von Physiotherapeuten: "Sie haben mir enorm geholfen, ihnen muss ich einen großen Dank aussprechen."
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Die aufgezwungene Auszeit war hart. Doch Unterweger ist keiner, der leicht aufgibt. Viel mehr trifft auf ihn das Sprichwort zu: "Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter". Noch selbstbewusster, mit noch mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten kehrte er aus seiner Leidenszeit zurück.
"Man sagt das nicht einfach nur so, du kommst wirklich stärker aus sowas zurück", erzählt er. Und es verschiebt Prioritäten. Sichtlich lockerer, weniger verbissen wirkt der sympathische Tiroler im Vergleich zu früher. "Ich weiß jetzt, wie es ist, wenn man gar nichts machen kann", hält er fest und fügt an: "Man muss einfach schätzen, wenn man fit am Start stehen kann."
Wenn sich harte Arbeit bezahlt macht
Das neue Mindset machte sich rasch bemerkbar. Nicht weniger als 629 Tage nach seinem letzten Einsatz in Canmore stand Unterweger Anfang Dezember beim IBU-Cup in Ridnaun wieder am Start und holte im Sprint sogleich Rang acht. Ein starkes Comeback, doch Unterweger legte nach - und wie.
Nur eine Woche später lieferte er beim Einzel in Ridnaun eine Glanzleistung ab: Der 26-Jährige traf alle 20 Scheiben und ließ die Konkurrenz hinter sich. Das strahlende Siegerlächeln war der Lohn für all das, was er zuvor eineinhalb Jahre lang investiert hatte. Was bei manch anderem dazu führte, dass er seine Skier an den Nagel hängte, weckte in Unterweger den Kampfgeist.
"In den letzten Jahren habe ich so hart gearbeitet. Und wenn man da dran bleibt, macht sich das schlussendlich bezahlt", meint er glücklich. Der verdiente Lohn für seine Leistungen kam rasch. Beim Heimweltcup in Hochfilzen feierte Unterweger als Startläufer der Staffel sein Comeback im Weltcup. Eine Bestätigung, die ihn mit Stolz erfüllt: "Das hat für mich einen brutal hohen Stellenwert."
Unterweger machte seine Sache gut. Zwei Nachlader, als Zwölfter übergeben. Nur zwölf Sekunden hinter Rang drei. "Das Schießen hätte besser sein können. Aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden", so sein Fazit.
Donminic Unterweger ist zurück. Und hoffentlich gekommen, um zu bleiben.


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