Michael Köllner: Das Vabanquespiel von Blau-Weiß Linz

Bild: Montage/Pixabay/Wikimedia/Silesia711/CC BY-SA 4.0


Nun ist es also fix: Der neue Trainer des FC Blau-Weiß Linz heißt Michael Köllner. Ihm fällt die Aufgabe zu, die Stahlstädter vor dem Abstieg zu retten. Die Verpflichtung des 55-jährigen Deutschen ist in reputativer und sportlicher Hinsicht ein Wagnis.

 

Wie aus dem Klub zu vernehmen ist, war er nicht der einzige Kandidat - und nach aktuellem Wissensstand auch nicht Plan A. Der hieß nämlich Thomas Silberberger, doch der Tiroler sagte letztlich ab. Schon zuvor war Ex-Austria-Coach Michael Wimmer aus dem Rennen.

 

So blieb aus dem engeren Kandidatenkreis nur noch der vereinslose Köllner übrig. Eine Wahl, die überrascht. Denn Abstiegskampf war bisher nicht das Metier Köllners, der bei seinen bisherigen Profi-Stationen Nürnberg, 1860 München und Ingolstadt meist um den Aufstieg mitspielte.

 

Das K in Köllner steht für kontrovers

Bei den blau-weißen Fans stößt die Wahl vielfach auf Unverständnis. Der Tenor ist klar: Viele hätten sich den vertrauten Namen Silberberger gewünscht, für den auch einiges gesprochen hätte. 

 

Insbesondere Köllners Haltung zu sensiblen Themen außerhalb des Fußballs stößt dem Anhang der Blau-Weißen sauer auf. Der 55-Jährige ist bekannt dafür, seine Meinung dazu auch gerne einmal ungefragt von sich zu geben, teils ohne erkennbaren Zusammenhang zum inhaltlichen Kontext. Besonders seine Aussagen zum Ukraine-Krieg und der Corona-Pandemie waren durchaus kontrovers.

 

Im März 2020 meinte Köllner zur zu jener Zeit voll im Ausbruch befindlichen Corona-Pandemie, das Virus sei "kein Zufall". Es sei "vielleicht auch ein Wink von irgendwoher, der uns auf irgendwas aufmerksam machen will, das ein oder andere in unserem Leben vielleicht zu ändern."


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Corona habe seiner Meinung nach "einen tieferen Sinn", sagte er damals. Und an dieser Stelle beginnt die Kritik an Köllner. Das sei Schwurbelei und seine Aussagen, so geht hervor, nicht mit dem Vereinsleitbild vereinbar. So weit, so nachvollziehbar.

 

Der geneigte Leser erkennt bereits: Da steckt ein "Aber" dahinter. Denn, und das kommt in der aktuellen Diskussion ein wenig zu kurz, damit endete Köllners Aussage nicht.

 

Der Oberpfälzer sagte auch: "Das ist eine Botschaft an uns alle, wie ist jeder in puncto Menschlichkeit aufgestellt? Ich glaube Menschlichkeit, Liebe und Solidarität gehen in unserer Zeit verloren." Zumindest beim letzten Satz wird es, ganz gleich wie man politisch denken mag, breite Übereinstimmung geben. Zudem sind es Werte, die sich sinngemäß auch im Vereinsleitbild abgebildet finden.

 

Wichtig zu wissen: Köllner traf diese Äußerungen zu einer Zeit, als kaum einer von uns Corona wirklich einzuschätzen vermochte. Man kann Köllner durchaus vorwerfen, dass er diese Aussagen später, jedenfalls öffentlich, nicht zurückgenommen hat. Er hat sie aber auch nicht weiter befeuert. Wir wissen nicht, ob er mit dem Wissen von heute auch noch so darüber denkt. Jede Medaille hat zwei Seiten.

 

(S)eine Form der Zivilcourage

Im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland meinte Köllner: "Die Bundesregierung entscheidet, wir liefern Waffen in die Ukraine. [...] In Afrika und Asien sind über Jahrzehnte Ungerechtigkeiten passiert. Da hat sich die deutsche Regierung nicht ein Mal darum gekümmert."

 

Von Teilen der Fans seines damaligen Arbeitgebers 1860 München wurde das als prorussisch verstanden. Das lässt sich aus dieser Aussage allerdings nicht ableiten. Ob dem tatsächlich so ist, weiß nur er selbst. Köllner hat sich dazu nie öffentlich erklärt.

 

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Nüchtern betrachtet, stellt er damit Verhältnismäßigkeiten in Frage. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Köllner begreift, wie er in einem Interview selbst erklärte, seine Rolle als Fußballlehrer und somit öffentliche Person auch als Plattform, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Für ihn sei das eine Form von Zivilcourage: "Wenn etwas auf der Straße oder in der Gesellschaft passiert und kein Mensch interessiert sich mehr dafür, dann gute Nacht."

 

Gratwanderung

Dass die Reaktionen bei so heiklen Themen durch die Decke gehen, muss (und wird) ihm aber klar sein. Rein fachlich bringt Köllner durchaus Qualität mit. Er führte Nürnberg zum Aufstieg, verpasste diesen mit 1860 München und Ingolstadt jeweils nur knapp.

 

Allerdings bewährte er sich mit seiner Herangehensweise nicht im Abstiegskampf. Er übernahm seine Teams im Mittelfeld oder zumindest mit ausreichend Vorsprung auf den Tabellenkeller und keines davon befand sich zu jenem Zeitpunkt in einer Krise, die ein Ausmaß wie derzeit bei Blau-Weiß Linz hatte. In einer solchen Situation einen Turnaround zu schaffen, muss er erst beweisen.

 

Köllners Verpflichtung ist ein Vabanquespiel. Geht es auf  - sprich: Es gelingt der Klassenerhalt - dürfen sich Christoph Schösswendter, Christoph Peschek & Co. zurecht auf die Schulter klopfen. Wenn nicht, könnte die blau-weiße Führungsetage schnell in einen ähnlichen Sturm geraten, wie Köllner nach seinen umstrittenen Aussagen. Denn sie werden von der Öffentlichkeit an dieser Entscheidung gemessen werden. 

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