Bild: Max Hofstätter/Montage
Mit einer Medaille wäre er sehr zufrieden, erzählte Christoph Sumann dem Autor dieser Zeilen für LAOLA1 im Dezember beim Biathlon-Weltcup in Hochfilzen (zum Interview).
Daraus wurde bekanntlich nichts, auch wenn Lisa Hauser im Einzel schon nach Edelmetall griff, ehe ihr beim letzten Schießen die Treffsicherheit verloren ging.
Man kann nun trefflich darüber fachsimpeln, wie denn diese Spiele aus Sicht des rot-weiß-roten Biathlon-Teams zu bilanzieren sind. Worin sich die meisten hoffentlich einig sind: Wer vor den Spielen eine Medaille erwartet hatte, dem musste klar sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass besagte Erwartung enttäuscht wird, höher ist, als dass sie sich erfüllt. Eine "Pleite" war Olympia mit Sicherheit nicht.
Dreifach verbesserte Andexer
Beleg für diesen Befund sind neben Patrick Jakobs bestem Karriere-Ergebnis (Rang 24 im Einzel) und dem bereits angesprochenen Griff nach der Medaille von Hauser vor allem zwei Youngsters, die bei den Spielen erstmals ihr Potenzial so richtig zeigen konnten: Anna Andexer und Fabian Müllauer.
Insbesondere Andexer lief mit ihren neunten Rängen in Sprint und Massenstart mitten in die Weltelite. Dass der Junioren-Welt- und Europameisterin eine aufregende Zukunft bevorstehen könnte, ist kein Geheimnis. Dass sie bei Olympia eine derartige Performance abliefern könnte, war aber nicht zwingend zu erwarten.
Auch sie selbst habe vor den Spielen "absolut nicht" gedacht, dass es so gut laufen könnte, meinte eine sichtlich überglückliche Andexer im ORF. Das bisher beste Karriere-Ergebnis der leidenschaftlichen Hobby-Köchin datiert vom vergangenen Dezember, als sie im Sprint von Le Grand Bornand Rang 24 erreichte - nur, um in Antholz in sämtlichen Olympia-Bewerben besser abzuschneiden.
"Es ist großartig, dass ich bei Olympia zweimal Top 10 geschafft habe. Die Spiele sind für mich richtig gut verlaufen. Ich könnte nicht zufriedener sein", freut sich die Salzburgerin gegenüber Am Spielfeldrand.
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Die bemerkenswerten Vorstellungen in Antholz könnten für Andexer der Durchbruch gewesen sein - mit der Betonung auf "könnten". Ob dem so ist, darüber werden ihre Leistungen bei den kommenden Weltcupstationen in Kontiolahti, Otepaa und Oslo Aufschluss geben.
Österreichs stets gut gelaunter Olympia-Lichtblick, seit Kurzem erst 23 Jahre jung, bestreitet ihre erste volle Weltcup-Saison und hat noch mehr als genug Zeit, um sich in der Spitze zu etablieren. ÖSV-Aushängeschild Lisa Hauser errang ihr erstes Podest mit 27, gegen sie ist Andexer also beinahe eine Frühstarterin.
Ein "neuer" Müllauer als großes Versprechen
Etwas anders, aber nicht weniger erfreulich, ist die Lage beim gleichaltrigen Fabain Müllauer. Österreichs große Hoffnung im Männer-Team war hauptverantwortlich dafür, dass die Olympia-Staffel ein Top-10-Ergebnis einfahren konnte. Er übernahm zur Halbzeit als 15. von Simon Eder und führte Österreich bis auf Rang acht nach vorne. Patrick Jakob brachte letztlich Rang zehn ins Ziel.
Ein Nachlader, gepaart mit einer soliden Laufleistung, war Grund dafür - was auch die Statistiken untermalen: Auf sein Leg heruntergebrochen war Müllauer beeindruckender Fünter. Nur die Top-Nationen Norwegen (Laegreid), Schweden (Ponsiluoma), Frankreich (Fillon Maillet) und Deutschland (Nawrath) lagen vor ihm.
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Beim anschließenden ORF-Interview sah man einen ganz anderen Fabian Müllauer als noch im Dezember. Damals kämpfte der Youngster mit sich selbst und vor allem mit dem Schießen. Nichts davon war bei Olympia noch spürbar. Er habe sich zuletzt immer mehr Selbstvertrauen am Schießstand holen können, konstatierte der 23-Jährige nach seinem Staffel-Einsatz.
Dass der junge Mann in der Loipe mithalten kann, ist keine Neuigkeit mehr. Vorerst ist er auf höchstem Niveau allerdings (noch) der einzige heimische Athlet, dem dies möglich ist.
Müllauer, der von sich selbst sagt, ein "Kopfmensch" zu sein, wird nach dem Karriereende von Simon Eder als Zugpferd im Männer-Team benötigt. Erfahrungen wie in dieser Saison sind gerade für einen wie ihn enorm wichtig, um mit derartigem Druck umgehen zu lernen.
Müllauer schon Zugpferd oder noch der "ewige Eder"?
Ob der 23-jährige Müllauer schon in der kommenden Saison Österreichs einzige große Hoffnung auf Top-15-Plätze sein wird, bleibt offen. Denn der bald 43-jährige Eder kokettiert nach wie vor mit dem Gedanken, noch eine weitere Saison dranzuhängen.
Setzt er noch zwei Jahre drauf, könnte er sogar die Marke von Biathlon-König Ole Einar Björndalen übertreffen: Zwischen Björndalens erstem Weltcup-Einsatz 1993 und seinem letzten 2018 lagen beeindruckende 25 Jahre. Dann wäre Eder mit 45 Jahren der zweitälteste Athlet, der je ein Weltcuprennen bestritten hat.
Älter war nur der Lette Ilmars Bricis, der bei seinem letzten Weltcup-Start im März 2018 47 Jahre alt war. Sein Rekord an Langlebigkeit dürfte allerdings unangetastet bleiben: Er debütierte 1992 im Weltcup und war somit 26 Jahre lang aktiv.


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