Wie bereit ist das ÖSV-Biathlon-Team für Olympia?


Wer vertritt Österreichs Biathlon bei Olympia in Antholz? Offiziell wird diese Frage heute, Montag, ab 11 Uhr bei der ÖOC-Nominierungs-Pressekonferenz (ab 11 Uhr LIVE in ORF1) beantwortet. 

 

Tatsächlich aber ist dies ein offenes Geheimnis. Das Frauen-Team bilden Lisa Hauser, Anna Gandler, Anna Andexer, Anna Juppe und Tamara Steiner. Bei den Männern, die aufgrund der Nationenwertung nur vier Tickets haben, fiel die Wahl auf Simon Eder, Patrick Jakob, Fabian Müllauer und Dominic Unterweger.

 

Der Trend stimmt

Die heimischen Biathlon-Fans wurden in der Vergangenheit bei Großereignissen oft verwöhnt, die goldenen Zeiten aber sind lange vorbei. Bei den letzten Spielen in Peking vor vier Jahren fuhr man ohne Edelmetall nach Hause. Ob dem heuer auch so ist?

 

Realistischerweise muss die Antwort auf diese Frage eher ja lauten. Wer sich von Österreichs Loipenjägerinnen und Loipenjägern eine Medaille erwartet, hat gute Chancen, enttäuscht zu werden - was allerdings nicht bedeutet, dass man völlig chancenlos ist.

 

Lisa Hauser suchte zwar zuletzt etwas nach ihrer Form, hat heuer (Verfolgung in Östersund) aber schon ein Weltcuprennen gewonnen - und mit Rang acht im Massenstart von Nove Mesto bewiesen, dass die Suche in die richtige Richtung geht. Dieser sorgte übrigens auch dafür, dass sie im Gesamtweltcup an Vanessa Voigt vorbeizog und als 15. nun ihren Startplatz im Olympia-Massenstart fix hat.


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Die Tirolerin führt ein Frauen-Team an, von dem man sich durchaus Hoffnung auf eine Überraschung machen darf. Denn auch Anna Gandler hat in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sie um die Spitzenplätze mitlaufen kann. Zudem zeigt sie seit Jahreswechsel ansteigende Form. Insbesondere läuferisch ist sie - nach dem gesundheitsbedingt verpatzten Vorjahr - wieder die alte.

 

Nach dem Einzel von Nove Mesto, in dem sie über Rang 47 nicht hinauskam, kamen bei der sympathischen Tirolerin kurzfristig Sorgenfalten auf. Ihre bärenstarke Leistung in der Mixed-Staffel tags darauf, wo sie als Erste übergab, ließ diese wieder (fast) verschwinden. 

 

"Ich gehe jetzt mit einem besseren Gefühl Richtung Olympia", so die 25-Jährige in Nove Mesto im Gespräch mit Am Spielfeldrand. Stehend sei es derzeit noch ab und an noch "a bissl eine Zitterei". Das nun folgende Olympia-Trainingslager im italienischen Martell "brauche ich, um herauszufinden, warum das so ist".

 

Olympia-Überraschung Juppe?

Läuferisch gut in Schuss ist auch Anna Juppe. "Meine Topform zieht langsam auf, das Timing Richtung Olympia ist natürlich ideal", freut sie sich. Soll heißen: Da geht sogar noch mehr - und das, obwohl sie im Einzel von Nove Mesto die zehnte Laufzeit in den Schnee brannte. Freilich: Es fehlten einige Top-Stars, Gesamtweltcupsiegerinnen wie Lisa Vittozzi und Franziska Preuß läuferisch hinter sich zu lassen, ist deswegen nicht weniger beeindruckend.

 

Juppe könnte zur großen Überraschung bei Olympia werden. "Mit der aktuellen Laufform traue ich mir schon einiges zu, wenn es mit dem Schießen gut klappt", sagt sie selbst.

 

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Dass Tamara Steiner noch auf den Olympia-Zug aufspringt, hatte wohl kaum einer mehr erwartet. Doch Reinhard Gössweiner und sein Trainerteam gaben ihr in Nove Mesto ihre erste und einzige Chance, sich heuer im Weltcup zu beweisen - und Steiner zahlte das Vertrauen mit ihren beiden besten Karriere-Ergebnissen in beeindruckender Manier zurück: Mit Rang sechs und 20 Volltreffern im Einzel löste sie ihr Ticket nach Antholz.

 

+++Zum Gespräch mit Tamara Steiner nach dem starken Einzel (via LAOLA1)+++

 

Am Sonntag ließ sie Rang elf im Massentart folgen, wieder ohne Fehlschuss. Steiner verfehlte in Nove Mesto somit keine einzige Scheibe. "Hätte mir das vor diesem Wochenende jemand gesagt, hätte ich es nicht geglaubt. Ich bin einfach nur richtig happy", jubelte sie im Anschluss.

 

Die fünfte im Bunde, Anna Andexer, kämpfte nach dem Jahreswechsel mit gesundheitlichen Problemen, die ihr zuletzt noch anzumerken waren. Speziell läuferisch ist bei ihr noch Luft nach oben. Ihre Kapazitäten in dieser Hinsicht sind aber unbestritten, in Martell wird es darum gehen, sie wieder an ihre Form vom Saisonbeginn heranzuführen.

 

Keine Wunderdinge

Hoffnungen auf eine Überraschung in Form einer Spitzenplatzierung sollte man sich bei den Männern dagegen eher nicht machen. 

 

Vielmehr gibt es dort vor Olympia noch einige Baustellen abzuarbeiten, wie Simon Eder betont: "Wir haben in allen Bereichen etwas aufzuholen", so der Routinier.

 

+++Zum gesamten Gespräch mit Eder nach dem Nove-Mesto-Wochenende (via LAOLA1)+++

 

Dass David Komatz nicht Teil des Olympia-Teams sein würde, war vor der Saison nicht zu erwarten. Zahlreiche krankheitsbedingte Ausfälle und (auch dadurch bedingt) mangelnde Ergebnisse sprechen aber eine klare Sprache.

 

Dafür darf Dominic Unterweger die Reise nach Antholz auf sich nehmen. Der Mann, der vor dieser Saison über 630 Tage lang kein Weltcuprennen bestreiten konnte, nimmt erstmals an den Spielen teil. Der starke Schütze, der noch immer auf der Suche nach einem Kopfsponsor ist, verspricht: "Ich werde mein Bestes geben".

 

Unterwegers Teamkollege Patrick Jakob ist gewissermaßen das männliche Pendant zu Tamara Steiner. Auch mit ihm durfte man in Sachen Olympia nicht mehr rechnen, doch auch er zeigte im Einzel von Nove Mesto (Rang 26) auf und sicherte sich sein Ticket. Der 29-Jährige fühlt sich auf dem richtigen Weg: "Es ist die letzten Wochen immer besser geworden. Ich hatte das letztes Jahr auch schon, dass es im Jänner immer besser wurde."

 

Das Team komplettiert Youngster Fabian Müllauer. Der laufstarke 22-Jährige hat in der bisherigen Saison ein echtes Wellental durchschritten. Immer wieder versagten am Schießstand die Nerven. Zuletzt zeigte sich bei ihm aber speziell im Stehendanschlag ein Aufwärtstrend.

 

Die Hoffnung lebt zurecht

Ein erneutes Abschneiden ohne Medaille ist für das ÖSV-Biathlon-Team nüchtern betrachtet das wahrscheinlichste Szenario. Das Frauen-Team hat sowohl in der Staffel, wie auch in den Individualbewerben aber zumindest Außenseiterchancen.

 

Auch in der Single-Mixed hätte Österreich mit Hauser und Eder ein Duo, das bei entsprechendem Rennverlauf für eine Medaille gut ist. Schade nur, dass der Bewerb (noch) nicht olympisch ist.

 

Zusammengefasst lässt sich sagen: Hoffnung auf eine Medaille dürfen sich die heimischen Biathlon-Fans zurecht machen. Sich eine solche zu erwarten, greift aber zu weit.

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